Caroline Lucretia Herschel
 
geb.: 16.03.1750 in Hannover
gest.: 09.01.1848 in Hannover
Caroline Lucretia Herschel
 
Privates Ausbildung und Beruf Mathematische Leistungen Bücher und Artikel
 
Privates
Caroline Lucretia Herschel, geboren am 16. März 1750 als Tochter von Isaac und Anne Ilse Moritzen Herschel in Hannover, wurde eine der wenigen großen Frauen in der Astronomie. Sie war die Schwester von William Herschel und die Tante von John Herschel. Insgesamt hatte sie fünf Geschwister.
Ihr Vater spielte Oboe in der Hannoveranischen Fußgarde und wurde später Leiter dieser Gruppe. Obwohl er keine formelle Erziehung genossen hatte, versuchte er seinen vier Söhnen und seinen zwei Töchtern eine gute Erziehung zu geben. Während die vier Söhne alle eine musikalische Ausbildung genossen, waren die Töchter auf Einwirken der Mutter nur für den Haushalt zuständig.
Eines Abends nahm ihr Vater sie mit nach draußen in eine kalte frostige Nacht. Dort zeigte er ihr einige interessante Sternkonstellationen und sie bewunderten einen Kometen.
Zu diesem Zeitpunkt konnte sie sich überhaupt noch nicht vorstellen, dass sie eines Tages einen großen Beitrag zur Erforschung von Kometen beitragen würde.
Als Caroline zehn Jahre alt war erkrankte sie an Typhus. Diese Krankheit bewirkte, daß sie aufhörte zu wachsen. Daher wurde sie nicht größer als 1,40m.
Nach der Besetzung von Hannover durch Frankreich 1757, war Isaac Herschel so stark in das Kriegsgeschehen einbezogen, dass er nicht zu Hause sein konnte. Wilhelm floh nach England, wo er Musiklehrer wurde und Caroline blieb bei ihrer Mutter, wo sie stricken lernte und weiterhin für Dinge im Haushalt zuständig war. 1760 kehrte Isaac sehr angeschlagen aus dem Krieg zurück und Caroline pflegte ihn bis zu seinem Tod 1767. Dadurch begann Caroline zu realisieren, daß sie nun Verantwortung für ihr eigenes Leben übernehmen musste. Deshalb nahm sie Stunden, um das Schneidern zu lernen und sich als Gouvernante zu qualifizieren. Währenddessen verlangte die Mutter weiterhin viel Mitarbeit zu Hause von ihr, was insgesamt eine große Belastung war.
 
1766 wurde Wilhelm Organist in Bath und Caroline folgte ihm gegen den Protest ihrer Miutter im Alter von 22 Jahren dorthin nach England. Caroline hatte ihrem Bruder Wilhelm immer sehr nahe gestanden und begann nach ihrer Ankunft in England Gesangsstunden zu nehmen. Wilhelm unterrichtete Caroline aber nicht nur in Musik sondern auch in Mathematik und Englisch. In seiner Freizeit beschäftigte er sich zunehmend mit Astronomie.
Neben ihrer musikalischen Ausbildung und ersten Auftritten, half Caroline ihrem Bruder bei seiner Arbeit. Er konstruierte Teleskope und sie lernte sogar, wie man Spiegel für Teleskope schleift und fing an, mit Teleskopen ihre eigenen Entdeckungen am Himmel zu machen.
 
Als Wilhelm 1781 den Planeten Uranus entdeckte, machte er sein Hobby zum Beruf. König George III gab ihm 200 Pfund Gehalt pro Jahr, was zwar nicht viel war, aber genug um aus seinem astronomischen Intreresse einen Fulltime-Job zu machen. Nach drei weiteren Umzügen landeten sie 1786 in Slough, wo Caroline sich inzwischen so weit in die Astronomie eingearbeitet hatte, daß sie dort nun selbst den ersten Kometen entdeckte. Dadurch wurde sie zum erstenmal selbst ein wenig bekannter und es wurden einige Artikel über sie geschrieben. Die von ihr erstellten Unterlagen über die Erforschung des Himmels durch ihren Bruder und sie gelten als sehr genau.
1787 gab König George III Caroline 50 Pfund Jahresgehalt als Assistentin von Wilhelm. Ein Jahr später heiratete Wilhelm und das Leben von Caroline änderte sich damit drastisch. Caroline führte Tagebuch und trug in dieser Zeit dort ein, dass sie Wilhelms Frau nicht mochte, besonders weil sie dadurch nicht mehr so eng mit ihrem Bruder zusammen sein konnte wie vorher. Später als sich ihr Verhältnis zueinander wieder verbessert hatte, riss sie diese Seiten aus ihrem Tagebuch heraus.
Insgesamt entdeckte sie acht Kometen und widmete sich dann dem von Flamsteed produzierten Sternenkatalog und fügte ihm 560 Sterne hinzu. Dieser Abschnitt markierte gleichzeitig das vorläufige Ende ihrer eigenen Forschungen. Erst 25 Jahre später nahm sie erneut wieder ihre Forschungen auf. In der Zwischenzeit beschäftigte sie sich mit der Erziehung ihres Neffen John Herschels, dem Sohn von William und Mary Herschel, der 1792 zur Welt kam. Dadurch wurde John sehr stark von seiner Tante beeinflusst. Er studierte in Cambridge und machte sich einen eigenen Namen als Mathematiker und folgte den Forschungen seines Vaters nach. Auch er wurde dafür honoriert. Caroline assistierte weiterhin ihrem Bruder bei seinen Forschungen. Ihr Status vom Hausmädchen in ihrer Kindheit hatte sich ungeheuer gewandelt. Sie war sogar mehrfach bei der königlichen Familie zu Gast.
 
Sie lebte und arbeitete von 1772 bis zum Tod ihres Bruders 1822 in England. Aber trotz ihrer eigenen großen Leistungen stand sie ihr ganzes Leben lang im Schatten ihres Bruders.
Im Oktober dieses Jahres kehrte sie nach Hannover zurück, wo sie mit vielen Gelehrten ihrer Zeit zusammentraf, darunter dem berühmten Mathematiker Carl-Friedrich Gauss.
 
Caroline Herschel hat immer darauf verwiesen, daß sie nur die Gehilfin ihres Bruders war und nahm Ehrungen nur mit Unbehagen an. Sie wehrte sich vehement dagegen, als Wissenschaftlerin bezeichnet zu werden. Von Historikern ist deshalb behauptet worden, sie sei an dieser Arbeit desinteressiert gewesen. Die stetige Weiterführung ihrer Forschungen nach dem Tod ihres Bruders Wilhem und ihre ausgedehnte Korrespondenz mit Kollegen bis ins hohe Alter hinein sind jedoch ein klarer Hinweis auf ihr eigenständiges Interesse an der Astronomie. Sie beugte sich mit ihrer Haltung jedoch dem gesellschaftlichen Druck, unter dem Frauen standen, die entgegen ihrer vorgesehenen Rolle in einer Männerdomäne arbeiteten, dabei erfolgreich waren und öffentlich Anerkennung erhielten.
 
Caroline Herschel wurde 98 Jahre alt. Sie starb in Hannover, wo sich auch ihr Grab befindet.
Ausbildung und Beruf
Caroline Herschels Vater wollte, daß alle seine Kinder Französisch, Mathematik und Musik studieren. Carolines Mutter vertrat die Ansicht, dass eine gute Ausbildung für ein Mädchen Zeitverschwendung sei. So veranlasste sie Caroline dazu, den größten Teil der Hausarbeit zu verrichten.
In England unterrichtete sie ihr Bruder Wilhelm in Mathematik und Gesang. Wilhelm interessierte sich sehr für die Astronomie. Daher unterrichtete er seine Schwester auch in dieser Wissenschaft.
Wissenschaftliche Leistungen
Caroline Herschel entdeckte am 1.August 1786 zum erstenmal einen Kometen. Weitere acht folgten. Sie ergänzte den Flamsteed'schen Himmelsatlas um 561 Sterne. Außerdem fand sie 13 Deep-Sky-Objekte, die in den Herschel'schen Nebelkatalog (Wilhem Herschel) aufgenommen wurden. Darunter befinden sich die Messier-Objekte M110, M48 und NGC253 (Nebel in denen neue Sterne entstehen).
Mitwirkung an 63 Publikationen, ohne daß ihr Name dort erwähnt wurde.
1787 Ernennung zur Assistentin des königlichen Hofastronoms mit einem kleinem Gehalt, nachdem sie vorher jahrelang unentgeltlich gearbeitet hatte.
Verleihung der Goldmedaille durch die Royal Astronomical Society für die Veröffentlichung eines Kataloges über 2500 Sternennebel.
1835 Ehrenmitgliedschaft in dieser Gesellschaft.
Anerkennung ihrer Leistungen durch die Aufnahme in die Royal Irish Academy 1838.
 
1889 wurde zu Ehren Caroline Herschels mit ihrem zweiten Vornamen der Kleinplanet Lucretia benannt. Dieser Asteroid hat einen Durchmesser von 13,1 km und eine Helligkeit von 16,5 mag. Den Namen Caroline Herschel erhielt auch ein Mondkrater im Sinus Iridum.
 
1846 Erhalt der Goldmedaille für wissenschaftliche Dienste vom preußischen König anlässlich ihres 96.Geburtstags.
Bücher und Artikel
  • Biografie in Dictionary of Scientific Biography (New York 1970 - 1990)

  • A.M. Clerke
    The Herschels and Modern Astronomy (1895)
     
  • M.C. Herschel
    Memoir and Correspondence of Caroline Herschel (New York, 1876)
     
  • C.A. Lubbock (ed.)
    The Herschel Chronicle: The Life-Story of William Herschel and His Sister Caroline Herschel (Cambridge, 1933)
     
  • E. Pierce
    Caroline Herschel: Tale of a Comet (1974)

  • A.M. Clerke, Caroline Lucretia Herschel
    Dictionary of National Biography XXVI (London, 1891), S. 260 - 263
     
  • M.T.A. Kempis
    Caroline Herschel, Scripta Math. 21 (1955), S. 246 - 247
     
  • M.B. Ogilvie
    Caroline Herschels contributions to astronomy, Ann. of Sci. 32 (1975), S. 149 - 161
     
  • F.J. Ring
    John Herschel and his heritage in D.G. King-Hele (ed.), John Herschel 1792 - 1871: A bicentennial commemoration (London, 1992), S. 3 - 16
     
  • J. South
    An address delivered at the annual general meeting of the Astronomical Society of London on February 8 1829, onpresenting the honorary medal to Miss Caroline Herschel, Memoirs of the Royal Astronomical Society 3 (1829), S. 409 - 412