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Hanna Neumann wurde am 12. Februar 1914 als jüngstes von drei Kindern des Ehepaares Hermann und Catharina von Caemmerer geboren. Ihr Vater war der einzige männliche Nachkomme einer Familie mit preussischer Offizierstradition. Er brach mit dieser Tradition als er Historiker wurde. Er hatte promoviert und die venia legendi erworben. Als er gerade dabei war, sich als Archivar und akademischer Historiker zu etablieren, kam er gleich in den ersten Tagen des Ersten Weltkriegs (1914 - 1918) ums Leben.
Die Mutter hatte hugenottische Vorfahren, die sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Preußen angesiedelt hatten.
Die beiden älteren Geschwister waren ihr Bruder Ernst (geb. 1908) und ihre Schwester Dora (geb. 1910). Ihr Bruder wurde Professor für Jura in Freiburg im Breisgau, für eine Zeitlang sogar Vizekanzler und ihre Schwester, die auch promoviert hatte, arbeitete in Berlin als Ausbilderin für Sozialarbeiter.
Nach dem Tod des Vaters lebte die Famielie von einer kleinen Kriegsrente, die durch weitere Arbeiten aufgebessert werden mußte. Schon mit 13 Jahren trug Hanna zum Familieneinkommen bei, indem sie jüngeren Schülern Nachhilfestunden gab. Zu dem Zeitpunkt, als sich bereits das Ende ihrer eigenen Schulzeit näherte, gab sie bereits 15 Nachhilfestunden pro Woche. Vermutlich hat sie da schon gelernt, sich ihre Zeit effizient einzuteilen.
Nach zwei Jahren Privatschule, besuchte sie von 1922 bis 1932 ein Mädchen-Realgymnasium. Für den Eintritt in die Universität erzielte sie einen Notendurchschnitt von 2. Ihr einziger Schwachpunkt war Musik. Die Kommentare in ihrem Zeugnis bescheinigten ihr Unabhängigkeit von Urteilen, akkurate Denkweise (weit über das erforderliche Maß hinaus) in Mathematik und Naturwissenschaften und ein bemerkenswerter Wille, anderen zu helfen.
Rückblickend auf ihre Schulzeit, ist Hanna Neumann eine Lehrerin besonders in Erinnerung geblieben - Fräulein Otto. Sie war in den letzten zwei Jahren ihre Französisch- und gleichzeitig ihre Klassenlehrerin. Diese Frau, die in den folgenden turbulenten Jahren der Nazizeit zu einer Vertrauensperson wurde, beeindruckte sie als ein Beispiel von Stärke, Sinn für Humor, Toleranz und Weisheit, was einen starken Einfluß auf ihre eigene Sicht auf Dinge und Menschen nahm. Ihr Mangel an Hass und Bitterkeit überzeugten Hanna davon, daß solche Gefühle in zwischenmenschlichen Beziehungen nichts verloren hatten.
Ein frühes Hobby war die Botanik. Damit beschäftigte sie sich bis zu ihrem 14. Lebensjahr. Dann jedoch wandte sie sich immer mehr der Mathematik zu.
Ab Frühjahr 1932 besuchte Hanna die Universität in Berlin. In den ersten beiden Semestern erfüllte sich dort alles, was sie sich von ihrem Studium erträumt hatte. Sie belegte in dem Jahr folgende Mathematikkurse: Einführung in die Höhere Mathematik bei Feigl; Analytische und projektive Geometrie bei Bieberbach; Differential- und Integralrechnung bei E. Schmidt und Zahlentheorie bei Schur. Der erste dieser Kurse erschien 1953 in einem Druck unter den Namen Feigl und Rohrbach. Hanna erhielt ihre erste Einführung in Physik in einer Vorlesung über experimentelle Physik bei dem Nobelpreisträger Laureate Nernst. Bei Orthmann erhielt sie eine Einführung in die Theoretische Physik. Außerdem machte sie von der Möglichkeit Gebrauch, auch fachfremde Vorlesungen zu belegen. Sie hörte Vorlesungen bei Kohler, einem der Begründer der Gestalttheorie, über Psychologie, Theologie bei dem bekannten römisch-katholischen Guardini on Dante und Jura bei dem führenden akademischen Juristen Deutschlands Wolff, dessen Popularität so groß war, daß seine Vorlesungen regelmäßig überfüllt waren.
Bieberbach, Schmidt und Schur, alle drei ordentliche Professoren für Mathematik, hatten sowohl in mathematischer Hinsicht als auch persönlich einen starken Einfluß auf ihr weiteres Leben. Bieberbach war der erste, der sie mathematisch stark beeinflußte. Er war für sie trotz seiner teilweise konfus abgehaltenen Vorlesungen ein inspirierender Mathematiker. Durch ihn wurde sie fast eine Spezialistin für Geometrie. Tatsächlich fühlte sie sich sehr stark zur Geometrie hingezogen. Bei Schmidt und Schur wurde sie in die Algebra und Analysis eingeführt.
Die Vorlesungen an der Universität begannen morgens um 8.00 Uhr und endeten abends um 19.00 Uhr, weil Nachhilfestunden hier unvermeidlich waren. Dennoch gab es natürlich auch Kaffeepausen und Hanna fand sich dort in einer Gruppe von Menschen wieder, die alle älter waren als sie, einige sogar schon mit Doktortiteln und solche, die in mathematischen Kreisen später sehr bekannt werden sollten. Zum Beispiel Werner Fenchel und seine zukünftige Frau Kate (beide Professoren in Kopenhagen), Kurt Hirsch (kürzlich eremitierter Professor für Abstrakte Mathematik am Queen Mary College in London), Rudolf Kochendorffer (Professor in Dortmund, zeitweise Professor für Abstrakte Mathematik an der Universität von Tasmanien), Erika Pannwitz (ehem. Chefredakteurin des Zentralblatts für Mathematik), Richard Rado (Eremitierter Professor bei Reading), Helmut Wielandt (Professor in Tübingen und lange Zeit Herausgeber der Mathematischen Zeitschrift) und, insbesondere ihr zukünftiger Ehemann Bernhard H. Neumann (Professor für Mathematik an der Australischen Nationaluniversität).
Die Freundschaft zwischen Hanna und Bernhard begann im Januar 1933, und entwicklete sich im Laufe der Zeit zu etwas ganz besonderem. Im August 1933 verließ Bernhard Berlin, um nach Cambridge in England zu gehen; es wurde klar, daß Deutschland für Juden für längere Zeit nicht mehr der richtige Aufenthaltsort sein konnte. Ostern 1934 besuchte Hanna ihn in London, wo sie sich heimlich verlobten; schon das Klima in Deutschland und später die Gesetze verboten solche "Mischbeziehungen". Danach wandte Hanna sich wieder ihren Studien zu.
In Deutschland war der erste Universitätsgrad zu dieser Zeit ein Dr. phil. Aber um an öffentlichen Einrichtungen unterrichten zu dürfen, brauchte man zusätzlich ein Staatsexamen. Die formellen Voraussetzungen für beides waren relativ einfach zu erlangen. Sie waren: die Teilnahme an Vorlesungen, an Übungsstunden, an Praktiken, an Seminaren und am Sport, in Hannas Fall das Schwimmen. Für jedes dieser Fächer gab es auch eine Abschlußprüfung. Am meisten Streß verursachte die Prüfung für das Staatsexamen, es bestand aus zwei schriftlichen Teilen und einer mündlichen Prüfung über zwei Hauptfächer und einem Nebenfach. Auch die Doktorarbeit war sehr umfangreich.
Im zweiten Jahr nahm Hanna an Vorlesungen in höherer Geometrie, Differential- und Integralrechnung, Funktionentheorie, Idealtheorie, Mechanik und an allgemeiner experimenteller Chemie teil. Dazu gehörten noch Übungsstunden in Verbindung mit diesen Fächern. Außerdem belegte sie einen praktischen Kurs für Anfänger in Physik und Astronomie.
Es gibt eine kleine Geschichte, die eine wichtige Eigenschaft von Hanna aufzeigt. Während einem der Kurse wurde den Studenten, die in Zweiergruppen arbeiteten, die Aufgabe gestellt, mittels eines Theodoliten die Höhe eines entfernt stehenden Schornsteins zu messen. Hanna und ihr Partner machten die Messungen, führten die dazugehörigen Berechnungen aus und erstellten entsprechende Zeichnungen. Man sagte ihnen, ihr Ergebnis sei signifikant falsch und forderte sie auf, die Arbeit zu wiederholen. Sie taten es, erhielten aber wieder das gleiche Resultat. Als sie jedoch auch nach einigen Wiederholungen immer wieder zu dem gleichen Ergebnis kamen, überredeten sie den Dozenten, ihre Ergebnisse zu überprüfen. Und zu desssen großer Überraschung kam er zu den gleichen Ergebnissen wie Hanna und ihr Partner. Die Ursachenforschung ergab schließlich, daß der Schornstein einige Jahre zuvor gekürzt worden war, weil man einige seiner Steine entfernt hatte.
Während Hannas erstem Jahr an der Universität kamen die Nazis an die Macht und Hanna stand ihnen ausgesprochen kritisch gegenüber. Sie versuchten zu verhindern, daß Juden weiterhin unterrichten konnten, indem sie gewalttätige Proteste organisierten. Im zweiten Jahr unterstütze Hanna eine Gruppe von Leuten, die versuchte, jüdische Dozenten zu schützen, indem sie darauf achteten, daß nur echte Studenten ihre Vorlesungen besuchten. Trotz der Bemühungen durch die Studenten errreichten die Nazis ihr Ziel. Immer mehr Menschen jüdischer Abstammung wurde das Studium an einer Universität untersagt. Vermutlich verlor auch Hanna ihre Arbeit im Mathematischen Institut aufgrund ihrer Aktivitäten. Trotzdem konnte sie den aktuellen Kurs noch bei voller Weiterbezahlung zuendebringen.
Im dritten Jahr nahm Hanna an Vorlesungen über Mangenlehre, Elliptische Funktionen, Gruppen linearer Transformationen, Funktionentheorie, nichtlinerae Gleichungen, die Theorie der Elektrizität und des Magnetismus, Logik und Grundlagen der Metaphysik teil. Sie machte praktische Übungen in Physik, hörte Seminare über Analysis, Geometrie und Algebra und sogar über die Philosophie der Religion, ein Seminar, das von Guardini abgehalten wurde (letzeres betrachtete sie als besondere Ehre, weil nur ausgesuchte Studenten an den Vorlesungen teilnehmen durften und sie ausgewählt wurde, obwohl es nicht zu ihren Hauptfächern gehörte).
Anfang des dritten Jahres wurde Hanna angeboten, als Kritikerin für das Jahrbuch über die Fortschritte der Mathematik zu schreiben. Einige Jahre später hatte sie dort einen Ferienjob in der Redaktion, bei dem sie sich vorkam wie eine höhere Büroangestellte, wie sie es später beschrieb.
Im vierten Jahr belegte sie Kurse in Funktionentheorie, ergänzender Zahlentheorie, Galois-Theorie, Philosophie der Geschichte, prinzipielle Probleme der systematischen Philosophie und die Geschichte der Entwicklung der Ausbildung in Deutschland. Sie hörte Vorträge über die Einführung in die Philosophie und über Platos Republik, einem philosophisches Kolloquium, beteiligte sich weiterhin an praktischen Versuchen in der Physik und hörte weitere Vorlesungen zu den Themen Analysis und Algebra und ein einführendes Seminar bei A. Brauer.
Der Naziterror bewirkte eine Polarisierung der Menschen; es war fast unmöglich, neutral zu bleiben. Hanna war gleichzeitig fasziniert und erschrocken über diesen Prozess - fasziniert, weil sie und einige andere Leute nahezu einen sechsten Sinn dafür entwickelt hatten, in welche Richtung jemand polarisiert worden war - und erschrocken über die Art und Weise wie einige Leute reagierten (z. B. begann ein hervorragender Mathematiker in vollem Ernst über den Unterschied zwischen arischer und jüdischer Mathematik zu schreiben).
Diese Entwicklung hatte außerdem einen direkten Einfluß auf ihr Studium. Hanna hatte zu diesem Zeitpunkt ihre Doktorarbeit anvisiert. Im vierten Semester stand ihre mündliche Prüfung an und sie wurde schon im vorhinein gewarnt, daß eben gerade dieser oben erwähnte Mathematiker ihr "politisches Wissen" prüfen sollte, was von da an zwingend vorgeschrieben wurde. So riet man ihr, das Staatsexamen so schnell wie möglich zuendezubringen, mit dem Ziel bei einem anderen Dozenten zu ihrem "politischen Wissen" geprüft werden zu können. So konnte sie weitermachen und an einer anderen Universität promovieren.
Wie schon früher erwähnt, war die Arbeit für das Staatsexamen umfangreicher als die für die Doktorarbeit. Hanna entschied sich für Prüfungen in Mathematik, Physik und Philosophie. Dies beinhaltete mündliche Prüfungen in allen drei Fächern und weitreichende Aufsätze in Mathematik und Philosophie. Der Wechsel zwang sie auch noch einmal im achten Semester in letzter Minute einige Veränderungen in ihrem Kurs vorzunehmen, um die Voraussetzungen für ihre Philosophieprüfung zu erhalten. Zum Glück fand sie einen Philosophiedozenten, der Verständnis für ihre schwierige Lage hatte. Er schlug ihr das folgende Aufsatzthema vor: Die erkenntnistheoretische Basis der Zahl bei Platos späteren Dialogen. Obwohl die Arbeit so ausgesucht war, daß sie für sie eine kleine Erleichterung darstellen sollte, löste Hanna sie mit lobenswerter Gründlichkeit. Um sicher sein zu können, daß sie kritische Phasen im Werk Platos auch richtig übersetzte, nahm sie extra ein paar Monate Privatstunden in Griechisch. Das Thema des Mathematik-Aufsatzes war: Die Konstruktion von relativen zyklischen Feldern. Den Sommer 1936 war sie damit beschäftigt, die Kurse zu verlassen, um sich auf die mündlichen Prüfungen im August vorzubereiten. Diese Vorbereitungen wurden abrupt beendet, als sie an Scharlach erkrankte. Trotzdem schloß sie die Fächer Mathematik und Physik mit Auszeichnung und Philosophie mit gut ab, auch ihr Gesamtprädikat lautete: mit Auszeichnung abgeschlossen.
Während der ganzen Zeit waren Hanna und Bernhard brieflich in Kontakt geblieben. Es war unter den gegebenen Umständen in dieser Zeit nicht einfach, in Kontakt zu bleiben. Die Briefe wurden durch einige befreundete Personen weitergeleitet. Nur einmal trafen sie sich während dieser Zeit - 1936 einige Wochen in Dänemark, nachdem Bernhard an einem internationalen Mathematik-Kongreß in Oslo teilgenommen hatte.
Mit dem vollendeten Staatsexamen in der Tasche und durch Hans Rohrbach, einen Dozenten aus Göttingen und früheren Assistenten in Berlin (später eremitierter Professor in Mainz) wurde Hanna als Forschungsstudentin bei Professor Hasse in Göttingen akzeptiert. Außerdem fand sie dort einen kleineren Tutoren- und Assistentenjob, mit dem sie sich ihren Aufenthalt dort finanzieren konnte. Bevor sie dort 1937 ihre Studien aufnahm, verbrachte Hanna sechs Monate in der statistischen Abteilung am Institut für militärische Ökonomie. Göttingen wurde sehr aktiv und es war nicht mehr das außenstehende Zentrum, das es zu Beginnn der Nazizeit war. Außer Hasse und seinem Team waren dort auch noch Siegel und seine Mitarbeiter. Hasse glaubte an Teamarbeit: Er wies jeder seiner Lehranstalten verschiedene Aufgaben zu, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Zu der Zeit war die Riemann'sche Vermutung in Bezug auf algebraische Funktionsfelder der Charakteristik p aktuell. Es wurden Seminare abgehalten, die sicherstellen sollten, daß jeder sich ein umfassendes Bild von dem Projekt machen konnte. Die engagiertesten Mitglieder des Teams waren H. Witt, L. Schmid und Deuring; Gunther Pickert und Paul Lorenzen waren weitere Kommilitonen.
In Göttingen fand Hanna etwas Zeit, Schach zu spielen, zu segeln und um tschechisch zu lernen. Das tat sie einem Freund zuliebe, der die Sprache lernen wollte. Die Mindestanzahl für diesen Kurs betrug jedoch zwei Personen. Der Kurs bereitete Hanna keine großen Schwierigkeiten, weil sie ein Flair für Sprachen entwickelt hatte, was ihr später zugute kam, als sie in ihrer beruflichen Karriere immer wieder Artikel in unterschiedlichen Sprachen lesen mußte.
Anfang 1938 fand die Annexion Österreichs und die Krise in der Tschechoslowakei statt. Hanna sah sich außerstande, den Tschechisch-Kurs zuendezubringen, ohne die Zeitpläne für ihre Hochzeit zu gefährden. Deshalb gab sie den Kurs nach drei Semestern auf und ging im Juli 1938 nach Großbritannien. Sie hegte nie Groll oder Bitterkeit gegen Deutschland und besuchte ihre Heimat später oft noch gerne.
Die ersten Jahre in Großbritannien waren nicht einfach, weil sie eine Familie gegründet hatten und mit ihren ersten produktiven Forschungen begannen. Hanna und Bernhard waren der Meinung, daß sie nicht öffentlich heiraten konnten, solange seine Eltern nicht sicher vor Repressionen waren. Bernhard assistierte zeitweise als Dozent in Cardiff und Hanna ging nach Bristol. Dort arbeitete sie, angeregt durch Bernhard, an einem Problem, das der Beginn ihres ersten Artikels "Über Eliminationsregeln" werden sollte.
Das war gleichzeitig der Start ihrer Arbeit über finite Ebenen-Geometrien, ein Interesse, das sie ihr ganzes Leben lang begleitete. Es wurde geweckt, als Bernhard ihr über den Vortrag eines Dozenten berichtete, der die Verbindung zwischen Graeco-Latin-Quadraten und Finiten Ebenen darstellte, den er bei einem Treffen der Britischen Gesellschaft im August 1938 gehört hatte. Ihre Arbeit stellte für eine Reihe von Vorlesungen Material zur Verfügung und 1954 für den Artikel "Über bestimmte nicht desargische Ebenen". Bei einer Gedenkvorlesung in Toronto beschrieb der führende Geometer Coxeter ihn als einen wichtigen Beitrag. Sie zeigte die Existenz von finiten Ebenen anhand von zwei Typen von Vierecken: solche bei denen die Diagonalpunkte kolinear angeordnet waren und solche, bei denen das nicht der Fall war (die sogenannte Fano-Anordnung). Sie stellte (gemäß Coxeter) die gewagte Vermutung in den Raum, daß finite Ebenen, in denen alle Vierecke vom gleichen Typ sind "desargisch" seien. Die Vermutung wurde bis heute nicht bewiesen.
Ende 1938 heirateten Hanna und Bernhard heimlich in Cardiff. Anfang 1939 bauten sie sich dort ein Haus, in das auch Bernhards Eltern einzogen. Später wurde ihr erstes Kind Irene geboren. Während dieser Zeit in Cardiff konnte Hanna ihr Interesse an Botanik praktisch umsetzen. Die Familie konnte ihre Ernährungsweise durch Pflanzen, die dort wild wuchsen, variieren und ergänzen, beispielsweise durch Sauerampfer.
Hanna und Bernhard wurden beide als am wenigsten eingeschränkte Ausländer bezeichnet. Das bedeutete, daß sie nicht von Restriktionen gegen Ausländer betroffen waren. Dennoch mußten sie Cardiff verlassen, als Dunkirk, ein größerer Teil der Küste für Ausläder gesperrt wurde. So zogen sie nach Oxford, weil es eine Universitätsstadt war. Einige Monate später wurde Bernhard in die britische Armee eingezogen. Unterdessen bereitete sich Hanna, die inzwischen ihr zweites Kind erwartete, auf ihre Promotion in Philosophie vor. Dies wurde durch die Society of Oxford Home Students (später das St Anne's College) ermöglicht, wo sie sich einschrieb, und ein großzügiger Gebührenerlass, der durch die Oxford Universität allen Flüchtlings-Studenden gewährt wurde, deren Kurse unterbrochen worden waren. Direkt nach Weihnachten wurde Peter, das zweite Kind geboren (er wurde Mathematiker in Oxford, wo er später auch seinen Dr. phil. machte).
Als Hanna Deutschland verließ, beendete sie ihre Forschungen auf dem Gebiet der algebraischen Funktionsfelder, weil sie fand, daß es keinen Sinn machte, die Arbeit außerhalb des Teams fortzusetzen (sie hatte nicht mitbekommen, daß Weil das Problem 1940 nach dem Krieg schon gelöst hatte). Für ihre Doktorarbeit wählte sie das Thema Bestimmung der Struktur von Untergruppen freier Produkte von Gruppen mit einer verschmolzenen Untergruppe. Sie war durch einen Artikel von Kuros dazu angeregt worden, in dem er das entsprechende Problem ohne verschmolzene Untergruppen gelöst hatte. Die Betreuerin ihrer Forschungsarbeiten war Olga Taussky-Todd, (des weiteren ein Dozent vom Westfield College in London, der nach Oxford evakuiert worden war und später Professor am California Institute of Technology wurde). Die Betreung war mehr eine Formsache, da Hanna gute Fortschritte machte und ihre Betreuer nicht so sehr an dem Thema ihrer Forschungsarbeit interessiert waren. Außerdem mußte sie auch ein oder zweimal ihren Tutor vom Kolleg besuchen. Bei dieser Gelegenheit paßten immer Kommilitonen auf ihre Kinder auf. Die Kinder nahm Hanna immer in einer seitlich am Fahrad angebrachten Tasche mit. Dieses Bild wurde während ihrer Oxfordzeit recht populär.
Das Hauptproblem in dieser Zeit war die Unterbringung. Die ursprüngliche Wohnung stand 1941 nicht mehr zur Verfügung. Es war nicht leicht, eine Unterkunft mit zwei kleinen Kindern zu finden, zumal auch noch viele Flüchtlinge aus dem zerbombten London ebenfalls eine Unterkunft suchten. Alles, was sie finden konnte, war der untervermietete Teil eines Hauses, in dem die Einrichtungen mit anderen geteilt werden mußten. Ein Jahr später wurde ein weiterer Umzug nötig. Diesmal fand Hanna eine brilliante Lösung: Sie mietete einen Wohnwagen und erhielt von einem Farmer die Erlaubnis, ihn auf seinem Land abzustellen. Sie hatte ihn auch als zugelassenen Wohnraum bei der Oxforder Wohnungsbehörde angegeben.
So kam es, daß Hanna ihre Doktorarbeit hauptsächlich bei Kerzenlicht im Wohnwagen schrieb. Wenn das Wetter es erlaubte, tippte sie ihre Arbeit auf einem Kartentisch direkt neben einem Heuhaufen. Mitte 1943 reichte sie die Arbeit ein. Später, als die Einschränkungen gegen Ausländer etwas gelockert wurden, konnte sie wieder nach Cardiff zurückgehen. Im November diesen Jahres wurde Barbara, das dritte Kind, geboren (Sie graduierte an der Sussex Universität in Mathematik und unterrichte später dieses Fach). Die Doktorarbeit wurde von zwei Leuten der Royal Society geprüft - Philip Hall (später Professor für Abstrakte Mathematik in Cambridge) und Henry Whitehead (später Professor für Abstrakte Mathematik in Oxford). Die mündliche Prüfung fand im April 1944 in Oxford statt. Als Hanna nach Cardiff zurückkehrte, hatte sie ihren Dr. Phil. in der Tasche.
Ein Jahr später war der Krieg in Deutschland vorbei. Bernhard wurde von der Armee entlassen und setzte seine Universitätskarriere ab 1946 mit gelegentlichen Vorlesungen am Universitätskolleg in Hull fort. Zur gleichen Zeit wurde Walter, das vierte Kind, geboren (nach dem Studium an Universitäten in New York, Adelaide und Bonn, promovierte er und arbeitet jetzt aktiv in der mathematischen Forschung). Im nächsten akademischen Jahr wurde Bernhard Dozent. Hanna wurde eine Assistenten-Teilzeitstelle für Vorlesungen angeboten. Sie nahm sie an und so begann ihre formelle Karriere als Dozentin.
Hanna mußte zwöf Jahre in Hull bleiben, um die Karriereleiter hinaufzuklettern. Schließlich erreichte sie eine höhere Dozentenstelle. In dieser Zeit erlebte sie mit, wie ein Kolleg mit 500 Studenten als Außenstelle von London zu einer autonomen Universität mit 1400 Studenten heranwuchs. Bernhard hingegen erhielt ein Angebot für ein Lehramt in Manchester, was er zum Oktober 1948 annahm.
Der Lehrplan britischer Universitäten war nicht gut geeignet, um Hannas Unterricht zu unterstützen. Beim Studieren des Buches Einführung in die höhere Mathematik, bedauerte sie es, daß ein Kurs dieser Art nicht passend für britische Universitäten war 'wo soviel Zeit damit verbracht wurde, einen Studenten in die Lage zu versetzen, ein Problem zu lösen - oder vielleicht: wo soviel Rücksicht darauf genommen wurde, Studenten nicht mit Integralen oder Differentialgleichungen zu belasten'. Mit ihrer charakteristischen Energie und ohne Zweifel auch aufgrund ihres mathematischen Trainings, erlernte sie die Voraussetzungen, um klare Vorlesungen zu halten, in denen Studenten durch ihre Fragen weiter vorankommen konnten. Der Vorsteher der Abteilung war ein Mathematiker. Und Hanna gelang es, ihn mit ihrem klaren, festen und taktvollen Auftreten davon zu überzeugen, den Lehrsoff der reinen Mathematik etwas zu modernisieren.
Sie nahm aktives Interesse an ihren Studenten. Besonders unterstützte sie die studentische mathematische Gesellschaft. Zu mancherlei Anlässen hielt sie dort Vorträge zu Themen wie: Die Zerlegung von Rechtecken in nichtkongruente Quadrate; Schwierigkeiten beim Definieren von Bereichen von Oberflächen; und Primzahlen. Ihr Ziel war es, einige Facetten der Mathematik aufzuzeigen, für die in den normalen Vorlesungen keine Zeit war und wie immer, um ihre Freude an der Mathematik weiterzugeben. Es war eine von Hannas herausragenden Qualitäten, daß sie sich an so vielen Dingen erfreuen konnte. Auch die Modellbau-Gruppe erhielt ihre aktive Unterstützung, indem sie sich am Herstellen von Papiermodellen regulärer und anderer Festkörper beteiligte. Außer der Reihe gab es noch die Einrichtung der Kaffeeabende. Sie lud oft Mitarbeiter und Studenten zu sich zum Kaffee ein. Dies entwickelte sich zu einem regelmäßigen wöchentlich stattfindenden Treffen, bei dem Studenten jederzeit willkommen waren und wie einer ihrer damaligen Kollegen sagte 'viele wurden unterstützt, beginnend bei unerwarteten Besuchern, die beim Tee etwas Gesellschaft suchten, über Leute, die diskutieren wollten bis hin zu solchen, die mit persönlichen Problemen kamen.' Sie interessierte sich sehr für Menschen und besonders dafür, daß sie das beste aus ihren Fähigkeiten machten.
Eine Reihe von Leuten, die heute in London unterrichten, erhielten bedeutende Hilfe von Hanna. Einer der Studenten aus den Anfangssemestern, John Britton, blieb extra länger, um seinen Abschluß bei Hanna zu machen. Dies bedeutete, ihn auf zwei Prüfungsarbeiten vorzubereiten; er hatte Gruppentheorie und Analysis ausgewählt. Der Student involvierte Hanna in das Erlernen von harter Analysis, indem sie Arbeiten von Whittaker und Watson durcharbeiteten. Danach ging er nach Manchester, um unter Bernhards Aufsicht seine Doktorarbeit zu schreiben und wurde später Professor am Queen Elizabeth College in London. Einer ihrer jüngeren Kollegen, John Sheppered, begann sich für Gruppentheorie zu interessieren, und promovierte unter Hannas Anleitung auf diesem Gebiet. John Bowers, später Dozent in Leeds, machte seinen Abschluß bei Hanna und promovierte später in London.
Inzwischen wuchs und gedieh die Familie und ein fünftes Kind kam zur Welt - Daniel, der 1951 geboren wurde (er hat inzwischen Universitätskurse in Mathematik und Griechisch absolviert). In dieser Zeit war Hanna natürlich sehr beschäftigt. Trotz einer Haushaltshilfe mußte sie immer alles gut durchorganisieren und großes Stehvermögen, Willenskraft und Selbstdisziplin beweisen. Besucher waren immer von der Organisation der Kinder betroffen: alle hatten Aufgaben zu erfüllen und führten sie verantwortlich und effizient aus.
Die Forschung ging auch voran. Zwei Artikel ihrer Doktorarbeit wurden im American Journal of Mathematics veröffentlicht. In Manchester teilte sich Bernhard ein Büro mit Graham Higman, (Whitemans Nachfolger in Oxford), und das führte 1949 zu dem gemeinsamen Artikel Embedding Theorems for Groups, der oft zitiert wurde und dazu führte, daß einige Gruppen HNN-Gruppen genannt wurden. Ihre eigenen und die gemeinsamen Forschungen mit Bernhard machten gute Fortschritte und resultierten in einigen Artikeln. 1955 wurde ihre veröffentliche Arbeit in Oxford vorgelegt und für einen D. Sc. für wert gehalten. Eine Vorlesung, die 1952 von H. Hopf, einem sehr angesehenen Topologen, anläßlich des vierten Britischen Mathematischen Kolloquiums gehalten wurde, trug dazu bei, das Interesse an einem seiner gruppentheoretischen Probleme neu zu wecken, was mit der Struktur bestimmter Mannigfaltigkeiten zu tun hat. Hanna wurde 1954 auf dem sechsten Britischen Mathematischen Kongress gebeten, einen Vortrag zu halten und bezog sich dabei auf das von Hopf dargestellte Problem. Das Problem umfaßte eine Eigenschaft von Gruppen, die heute die Hopf-Eigenschaft genannt wird. Hanna berichtete über den aktuellen Wissenstand der Hopfgruppen und schloß einige Fragen dazu an. Eine der Fragen, "ob das freie Produkt von endlich vielen Hopf-Gruppen wieder eine Hopf-Gruppe ergibt", beschäftigte sie noch eine Reihe von Jahren. 1954 nahm sie am Internationalen Mathematikkongress in Amsterdam teil und berichtete über eine Arbeit über Near-rings. Dies führte zur Arbeit mit Varianten von Gruppen, was ein sehr bedeutender Teil ihrer mathematischen Karriere wurde und auf welchem Gebiet sie eine führende Person wurde.
Und als ob Hanna nicht schon genug zu tun gehabt hätte, nahm sie noch einen Sekretärinnenjob bei einer örtlichen Zweigstelle der United Nations Association an.
Ab 1948 begann Hanna nach einer passenden Position in Manchester zu suchen, damit die Familie gemeinsam unter einem Dach leben konnte. 1958 hatte ihre Suche endlich Erfolg, als die Technische Fakultät der Universität Manchester (heute das Institut für Wissenschaft und Technik der Universität Manchester) beschloß, ein Ehrenprogramm für Mathematik einzurichten und für diesen Aspekt des Kurses einen relativ erfahrenen Abstrakten Mathematiker suchten, der dort die Verantwortung übernehmen sollte. (Es gab zwischen der der Mathematischen Abteilung der Technischen Fakultät und dem anderen Teil der Universität, in dem Bernhard Lektor war, formell keinen Kontakt; sie waren auch physikalisch völlig getrennt.) Hanna bewarb sich um die Stelle und wurde für das Lehramt an der Technischen Fakultät eingestellt - mit dem Übereinkommen, daß der Abstieg von einer höheren Dozentin nur von kurzer Dauer sein würde, was er auch tatsächlich war. Von einigen wurde es nicht nur als ein Abstieg in der Karriere, sondern auch als Abstieg in ein kleineres Institut angesehen. Hanna empfand das nicht so, und als sie ein Jahr später einen Vortrag vor ihren früheren Kollegen in Hull hielt, konnte sie von Experimenten berichten aufgrund derer sie mit solchen Vorurteilen aufräumen konnte.
Bevor Hanna die Stelle in Manchester im Oktober antrat, besuchte sie mit Bernhard den Internationalen Kongress für Mathematik in Edinburgh und sie machten mit der ganzen Familie einen Erholungsrlaub mit dem Fahrrad. Familienradtouren wurden eine ständige Einrichtung bei den Neumanns, bei denen sich Hanna immer gut erholen konnte.
Während Hannas erstem Jahr in Manchester machte Bernhard seinen ersten Fortbildungsurlaub. Er dauerte neun Monate und er besuchte in dieser Zeit Indien und Australien. Hanna übernahm für diese Zeit die Aufsicht über einen seiner Forschungsstudenten.
Hanna machte sich an die Organisation der Kurse, die den Studenten ihre Sicht der Mathematik vermitteln sollte. Sie schaffte es, im Kurs des ersten Jahres, der bis dahin immer ganz problemorientiert war, einmal in der Woche die Einführung in die Mathematik im Stil von Feigl-Rohrbach einzuführen. Die Algebra-Kurse im nächsten Jahr spiegelten durch und durch ihre eigenen Interessen und ihre Sichtweise der Mathematik wider. Sie entwickelte einen Unterrichtsstil, der darauf abzielte, sehr abstrakte Ideen durch vernünftiges Einsetzen konkreter Beispiele und sinnvoll eingesetzter Übungen, zu erfassen. Durch das Benutzen von solchen Büchern wie denen von Kemeny und anderen, war sie in der Lage, die Studenten der ersten Jahre für andere Teile der Mathematik als Analysis zu begeistern, indem sie zeigen konnte, daß sie sich auch auf andere Bereiche menschlicher Bemühungen als nur auf die Physik bezogen. Des weiteren machte sich Hanna daran, ein aktives Lehr- und Forschungsteam um sich herum aufzubauen. Ein Jahr später kam John Sheppered von Hull dazu, wurde mitintegriert und löste ein Problem, das von einem Fabrikanten zuerst an Textil-Ingenieure und später an die Mathematiker weitergereicht wurde. Für die Lösung wurden tiefe Kenntnisse der Gruppentheorie benötigt. Hanna gefiel diese Anwendung sehr gut und sie baute sie in eine Vorlesung für Laien auf diesem Gebiet ein. Im darauffolgenden Jahr (1960-61) trat Jim Wiegald der Gruppe bei. Er war ein ehemaliger Forschungsstudent von Bernhard, mit dem Hanna gemeinsam an einigen Produkten von Gruppen, die sie verbundene Gruppen nannten, arbeitete. In dem Jahr begann Hanna, ihre ersten Forschungsstudenten zu beaufsichtigen: Ian Dey, später ein höherer Dozent an der Offenen Universität und Chris Houghton, später Dozent in Cardiff. Ian Dey arbeitete an dem Problem, ob ein freies Produkt von endlich vielen endlich-generierten Hopfgruppen wieder ein Hopf ist, und legte eine Anzahl von speziellen Fällen fest.
Das Leben brachte weiterhin viel Arbeit mit sich. Hanna arbeitete manchmal nächtelang, um Manuskripte zu lesen und Vorlesungen vorzubereiten. Morgens nahm sie dann eine ausgiebige Dusche und erschien so frisch im Büro, als hätte sie durchgeschlafen. Sie gestattete es sich nicht, daß dieser Arbeitsdruck ihren Kontakt zu Kollegen oder Studenten oder ihr Interesse an der Arbeit negativ beeinflusste. Es gab regelmäßige Kaffeetreffen, wo interessante Probleme diskutiert werden konnten. Sie war durchaus bereit, auch ganz andere neue Erfahrungen zu machen, z.B. zu lernen, wie man tapeziert ...
Im Sommer 1959 besuchte sie für 14 Tage die Universität in Ungarn, um dort Vorlesungen über verschiedene Aspekte ihrer Forschungen zu halten. Außerdem erhielt sie 1960 eine Einladung zum zwölften Britischen Mathematischen Kolloquium, um dort zu referieren. Bei dieser Gelegenheit sprach sie über Wreath-Produkte - eine Gruppenkonstruktion, die durch eine Arbeit von Frobenius das Licht der Welt erblickte und in den 50er Jahren berühmt wurde. Sie spielte eine Schlüsselrolle bei einigen aktuellen und auch bei einigen späteren Arbeiten von Bernhard.
Mathematiker studieren Gruppentheorie hauptsächlich wegen der Faszination seiner Probleme und dem Anreiz, der in ihren Indeen steckt. Wie auch immer, einige ihrer Aspekte haben sich als äußerst nützlich in der Anwendung, insbesondere in der Physik, erwiesen. Dadurch daß Hanna ständigen Belastungen durch Stress ausgesetzt war, wußte sie, wie entscheidend die immanente Motivation war, die man bekommt, wenn man sich an schönen Dingen erfreut. Deshalb war sie sehr an der Entdeckung solcher Anwendungen interessiert und stimmte sie, an einem Kurs im weitergehenden Studium zum Thema der Repräsentation von Gruppen teilzunehmen, an dem sich Mathematiker und Physiker beteiligten. Die Mathematiker sollten einen detaillierten Bericht über das Gebiet des Interesses darlegen und ihn den Physikern übergeben, die ihrerseits danach erklären sollten, wie die Theorie benutzt wurde. Hanna gab die mathematischen Vorlesungen 1960-61; die physikalischen Teile fanden aber nie statt.
Von 1960-61 bereiteten Hanna und Bernhard sich auf einen gemeinsamen Fortbildungsurlaub am Courant Institut für mathematische Wissenschaften in New York vor, der 1961-62 stattfinden sollte. Hanna war Gastwissenschaftlerin. Außerdem bekam Bernhard ein Angebot, eine Forschungsabteilung für Mathematik an der Australischen Nationaluniversität einzurichten. Hanna wurde in dem Institut eine Stelle als Lektorin angeboten. Sie nahmen das Angebot an - Bernhard nach dem Jahr in New York und Hanna ein Jahr später nach der Entbindung ihrer Verpflichtungen ihren Forschungsstudenten in Manchester gegenüber.
Das Jahr in New York war sehr erfolgreich. Ihre drei Söhne begleiteten sie auf dieser Reise. Der älteste (mittlerweile eingeschriebener Student in Oxford), begann sich unter Leitung einer der Professoren, Gilbert Baumslag (ein anderer ehemaliger Student von Bernhard), aktiv für Forschungsarbeit zu interessieren, und wurde bald in die Forschungsarbeiten seiner Eltern mitintegriert. Während diesen Jahres lösten Hanna, Bernhard und Peter das Problem der Struktur von Halbgruppen von Variationen von Gruppen, indem sie zeigten, daß sie frei sind. Zusammen mit Baumslag machten die drei weiterhin bedeutende Untersuchungen zu Variationen von Gruppen, die von einer endlich-generierten Gruppe erzeugt wird. Hanna gab in dem Jahr in diesem Kurs eine Reihe von Vorlesungen, zu denen eingeladen wurde.
Während Hanna fort war, wuchs die Gruppe in Manchester um einen weiteren Kollegen an, Laci Kovacs (ein weiterer ehemaliger Student von Bernhard, der später an die Australische National-Universität ging), und drei weitere Studenten (geleitet von anderen Kollegen). Einer von ihnen, Carl Christensen, ein gerade Graduierter aus der Abteilung, war von Hanna inspiriert worden, weiter auf dem Gebiet der Mathematik zu arbeiten.
Das Jahr der Auflösung wurde auch ein sehr hektisches Jahr. Hanna wurde gebeten, einige Vorlesungen rund um ihre Arbeit in New York zu halten. Außerdem gab sie einen Graduiertenkurs über Varianten von Gruppen, die ihre beiden Studenten mitschrieben. Der Kurs war gut dazu geeignet, das Interesse an diesem Teil der Gruppentheorie zu stärken. Es geschah in diesem Jahr, daß das sogenannte finite Basisproblem für Varianten einer finiten Gruppe (zuerst aufgeworfen 1935 von Bernhard) schrittweise in Oxford gelöst wurde. Hanna berichtete von Fortschritten als es geschah. Sehr typisch für sie war das Anlegen von Karten über das, was geschehen war und ihr großes Interesse gab anderen den Mut, Fortschritte zu machen. Es bedurfte auch viel Mühe seitens Hannas, auf einem Gebiet der Gruppentheorie zu arbeiten, auf dem sie nicht sehr zu Hause war. Bald nachdem sie in Australien war, konnte sie von der erfolgreichen Vervollständigung der Lösung berichten.
Hanna übte in Manchester eine wichtige gesellschaftliche Rolle in der Mathematik aus, indem sie eine Gruppe für allgemeine Mathematik und eine für Hobbymathematiker betreute.
Im August 1963 verließ sie Großbritannien um neuen Aufgaben in Australien entgegenzusehen. Hanna kam an eine Forschungsstelle, bei der sie hoffte ihren Interessen nachgehen zu können und einige Studenten zur Promotion zu führen. Tatsächlich warteten schon zwei Studenten auf sie als sie ankam. Es waren Martin Ward und Bob Burns; beide vollendeteten ihre Promotion erfolgreich und erhielten später entsprechende Lehranstellungen an der Australischen Nationaluniversität und New York City (Canada). Ihr erstes Ziel war es, die Vorlesungen über Variationen von Gruppen zu verbessern und als Monographie zu publizieren.
Anstattdessen fand Hanna sich in einer hohen verantwortlichen Unterrichtsposition wieder. Ihr wurde ein neu geschaffener Lehrstuhl für Abstrakte Mathematik an der National University's School of General Studies angeboten (das ist der Teil der Universität, an dem Studenten des Grundstudiums unterrichtet werden und an dem von den akademischen Kollegen erwartet wird, daß sie einen bedeutenden Teil ihrer Zeit für den Unterrricht verwenden). Zusammen mit dem Lehrstuhl kam die Leitung der Abteilung für Abstrakte Mathematik, die zusammen mit der Abteilung für angewandte Mathematik aus der Teilung der ehemaligen Abteilung für Mathematik hervorgegangen war. Sie nahm die Einladung an unt trat die Anstellung im April 1964 an.
Schnell wurde sie auch in die Hilfe für Lehrer bei Problemen einbezogen, die durch die Einführung des Wyndham-Schemas in weiterführende Schulen in New South Wales entstanden. Dieses Schema implizierte eine radikale Umstrukturierung, die die Erstellung neuer Unterrichtspläne zwingend erforderlich machte. In der Mathematik bedeutete das die Anpassung an Unterrichtsmethoden, wie sie bereits in anderen Ländern praktiziert wurden. Viele Lehrer waren der Meinung, daß sie nicht auf diese Umstrukturierungen vorbereitet worden seien. Im ersten Semester 1964 hielten Hanna und Ken Mattei, einer der Mathematik-Koriphäen von Canberra, einen einmal in der Woche stattfindenden Kurs (unter der Schirmherrschaft der Mathematikgesellschaft von Canberra) für Lehrer unter dem Titel 'Die Sprache der Mengen in der Schulmathematik'. Das war Hannas erster Exkurs in diese Art von Aktivität, aber ihre Erfahrung und Sensibilität ermöglichten es ihr, den richtigen Ton anzuschlagen und man dankte ihr '... für ihre heiteren und exzellenten Unterrichtstunden unter guter Anleitung'. Diese direkte Verbindung zu Lehrern weiterführender Schulen sollte sie, wie man sehen wird, für den Rest ihres Lebens begleiten.
Inzwischen begann Hanna unter schwierigen Umständen, eine Abteilung für Abstrakte Mathematik einzurichten. Die meisten der erfahrenen Kollegen der alten Abteilung für Mathematik hatten sich aufgrund ihres Forschungsinteresses der Abteilung für Angewandte Mathematik angeschlossen. Zu der Zeit war es fast unmöglich, erfahrene Kollegen zu bekommen. Zum Glück war Hanna rechtzeitig in der Lage, einige ihrer früheren Studenten (Martin Ward, Carl Christian und Ian Dey) dazu zu bewegen, sich ihr anzuschließen und unter ihrer Führung und mit ihrem Enthusiasmus eine aktive und lebendige Abteilung um sich herum aufzubauen. Außerdem konnte sie in dieser Angelegenheit die Hilfe von Leuten aus Bernhards Abteilung für gelegentliche Fortgeschrittenenkurse in Anspruch nehmen, und war dadurch in der Lage, ein paar mehr von den erfahreneren Leuten, die als Besucher kamen, zu interessieren (darunter waren M.Stone, Professor in Chicago und Coxeter, Professor in Toronto, jeweils für ein Semester und Jim Wiegold für zwei Jahre) und konnte sie für ihre Forschungsstudenten als Teilzeit-Tutoren einsetzen.
Hanna sorgte sich darum, daß alle Studenten Kurse entsprechend ihrer Belange erhielten. Einerseits wollte sie, daß die besseren Studenten ein echtes Verständnis für Mathematik entwickelten, so daß sie sich sensibel dafür entscheiden konnten, ob sie eine mathematische Laufbahn einschlagen wollten und daß sie gut dafür vorbereitet waren. In dieser Hinsicht institutionalisierte sie Prüfungsformen, neben dem Verfügbarmachen von intensiven Kursen durch Vorlesungen, speziell durch Übertragen von Hausarbeiten, was zu nachhaltigerer Benutzung von Ideen und Techniken führte, im Gegensatz zu den konventionellen Prüfungen mit einem Buch mit sieben Siegeln. Außerdem überwachte sie noch ein Projekt, das eine wichtige Komponente des letzten Ehrenjahres war. Obwohl nicht beabsichtigt, produzierten einige dieser Projekte gelegentlich originale Forschungsergebnisse, die publiziert worden waren. Auf der anderen Seite war sie sehr daran interessiert, daß Studenten mit einem begrenzteren Hintergrund, die die Absicht hatten, Mathematik nur für ein Jahr zu studieren, ein so klares Verständnis wie nur möglich für das Fach entwickleten, weil von vielen dieser Leute später im Berufsleben erwartet wurde, daß sie Mathematik benutzten. Ihr lag viel daran, zu vermitteln, daß Mathematik zu benutzen oder darüber nachzudenken eine erfreuliche Aktivität sein kann, obwohl es einem viel Anstrengeung abverlangte, die Früchte zu ernten. Sie führte andere dahin, indem sie ihre eigene offensichtliche Freude an dem Fach zeigte, gepaart mit ihrem Willen, hart zu arbeiten. Es ist nicht wirklich zu beurteilen, wie erfolgreich diese Kurse ihr Ziel letztendlich errreichten; jedenfalls schienen die Klassen sehr glücklich damit zu sein. Der Erfolg des Intensivkurses ist leichter meßbar, wenn man betrachtet, daß schließlich ein Dutzend Studenten ihre Promotionen in weit verstreuten Orten wie Cambridge, Edinburgh und Oxford in Großbritannien, Chicago und Seattle in den USA und Kingston in Canada sowie in Australien vollendeten; und zwar hauptsächlich in Mathematik, aber auch in EDV, Physik und Geschichte der Wissenschaft. Die Doktorarbeiten wurden von Graduierten der Fortgeschrittenenkolloquien von 1965-68 erreicht und repräsentieren etwa die Hälfte der Graduierten von diesen Klassen. Etliche von den später Graduierten arbeiteten ebenfalls auf eine Promotion hin.
Sie hatte nicht nur diese Ideen zum Unterrichten, die sie in die Tat umsetzte, sondern sie schuf auch eine Atmosphäre, in der ihre Kollegen ermutigt wurden, Ideen zum Unterricht zu entwickeln und zu diskutieren, zu planen und sie auch umzusetzen. Einige von ihnen erfuhren im Laufe der Zeit große Akzeptanz. Zum Beispiel bewirkte der Vorschlag eines Teilzeit-Tutors, daß ein Kurs über Distributionen (im Sinn von Schwartz) für Studenten entstand, die gerade das dritte Jahr durchliefen. Hanna gab diesen Kurs ein paar Mal und ihre Vorlesungsunterlagen wurden veröffentlicht. Diese Unterlagen wurden von Erdelyi, einem Professor in Edinburgh, in Verbindung mit einem Kurs benutzt, den er bei der zehnten Sommerschule der Australischen Mathematikgesellschaft abhielt. Des weiteren wurden sie für einen Kurs an der Universität von New South Wales benutzt. Ein kurzer EDV-Kurs wurde von Bill Steiger und Martin Ward gestaltet und den Studenten des ersten Jahres zur Verfügung gestellt.
Hanna kreierte nicht nur den Kurs für Verteilungen, sondern gestaltete auch Details der etwas problematischeren Grundkurse und benutzte die Kurse der Ehrenstudenten im letzten Jahr um ein Wissen über wichtige Gebiete bezüglich ihrer Forschungsinteressen zu erarbeiten wie: Kohomologie von Gruppen und Lie-Methoden in der Gruppentheorie. Sie leitete die Projektarbeit von einigen Studenten des vierten Jahres zu diesen Themen, aber auch über natürliche Zahlen und Hilbert's zehntes Problem.
Hanna glaubte daran, daß es wichtig sei, immer verfügbar zu sein: Soweit es die formellen Verpflichtungen es zuließen, war sie immer in ihrem Büro und ließ die Tür dabei offen stehen. Sie ermunterte Studenten, sich bei Schwierigkeiten Hilfe zu holen und wurde oft dabei gesehen, wie sie ein Problem an ihrer Tafel erklärte. Sie kam auch oft in die Lage, Studenten bei nicht-mathematischen Problemen zu helfen. Ihr Einfluß kann am besten in ein paar Zeilen eines Briefes zusammengefaßt werden, den zwei Studenten kurz nach ihrem Tod an eine örtliche Zeitung schrieben:
Wir werden sie nicht nur als Mathematikerin in Erinnerung behalten; sie war ein Freund, der nie zu beschäftigt war, um immer ein offenes Ohr für jeden Studenten zu haben.
Wir werden ihre große Hingabe, ihre Aufrichtigkeit und ihre freundliche Art immer vermissen.
Natürlich hatte sie den Preis dafür bezahlt, indem sie viele Nachtschichten eingelegt hatte.
Die neuen Verantwortlichkeiten reduzierten die Zeit drastisch, die Hanna für ihre Forschungen und forschungsbezogenen Aktivitäten aufwenden konnte. Die Arbeit an der Monographie trat in den Hintergrund. 1965 half sie, eine sehr erfolgreiche internationale Konferenz über Gruppentheorie zu organisieren. Bei der Konferenz gab sie einen Überblick über den derzeitigen Stand der Forschung - über die Verschiedenheit von Gruppen - bei dem sie etwas von der Arbeit berichten konnte, die durch ihren Originalkurs inspiriert worden war. 1966 nahm sie am Internationalen Mathematikerkongreß in Moskau teil, wo sie über ihre kürzliche Arbeit über Variationen in Canberra berichtete. Die Monographie war Ende 1966 fertiggestellt und erschien Anfang 1967. Es zeigte ganz klar, wie frührere Kurse ihr Interesse an diesem Gebiet beeinflußt hatten. Der Monograph zeigte einige der ungelösten Probleme auf, viele von Hannas eigenen Hinterlassenschaften über Variationen. Eine Menge sind heute gelöst, eine ganze Reihe davon von Leuten aus Canberra, die von Hanna inspiriert worden waren, sich für dieses Gebiet zu interessieren. Fast unverzüglich begann Smel'kin in Moskau mit der Übersetzung ins Russische - sie wurde zusammen mit einigen Anhängen ein Jahr später fertig, erschien aber nicht vor 1969. Hanna erhielt Einladungen, Vorträge an verschiedenen australischen Universitäten über diese Arbeiten zu halten und einen 1972 bei dem Treffen der Mathematischen Gesellschaft. 1966 vollendeten ihre ersten beiden Forschungsstudenten ihre Kurse und Hanna nahm zwei neue Studenten an, Chau und Itquan Farouqi, die auch promovierten und später jeweils Anstellungen an den Universitäten Sudbury in Canada und Karachi in Pakistan annahmen. Den beiden folgten 1969 zwei weitere, Bill Haebich und George Ivanov, die auch ihre Promotion vollendeten.
Natürlich ging das Familienleben weiter. Es lebte nur noch ein Kind zu Hause. Aber die Familie wurde noch durch eine Nichte ergänzt, die ein Jahr lang bei ihnen lebte und auch Hannas Mutter kam für eine lange Zeit zu Besuch. Es gab auch sonst noch viel Abwechslung durch Kollegen und Studenten, Besuchern, die nach Canberra kamen und Freunde aus anderen Aktivitäten. Hanna übernahm ihre Aufgabe bei einer Bürger- und Elterninitiative. Erholung für sich fand sie beim Fotografieren und Fahradfahren.
Und es ging unvermindert weiter: Es war der üblicher Anblick, wie Hanna und Bernhard zu und von ihren Arbeitsstätten oder zu ihrem Mittagskaffee radelten. Sie entwickelten auch eine Vorliebe für Vierradreisen und sahen viel von Australien, insbesondere die Backblocks, die soviele Städter nie zu sehen bekommen. Das Interesse am Fotografieren, was ein kurzes Interesse während der Semesterferien war, wurde neu geweckt, als sie einige Fotos durchsah, die sie früher einmal gemacht hatte. Von den Tantiemen für den Monograph kaufte sie sich eine neue Kamera. Dies Interesse kombinierte sie mit ihrem alten Hobby, der Botanik und sie baute eine beeindruckende Sammlung von Fotos von Pflanzen und Bäumen verschiedenster Arten auf, insbesondere viele Arten von Akazien. Bei der Jagd danach mußten sie viel von ihren vier Rädern Gebrauch machen. Es hatte auch körperliche Schäden zur Folge, schließlich war eine gebrochene Rippe der direkte Tribut, den sie für die Jagd nach einer außergewöhnlichen Akazie zahlte. Solche Beschwerden hatten keinen nennenswerten Einfluß auf ihre Arbeit, und sogar ein eingegipstes Bein konnte sie nicht länger als eine Woche von ihren Klassen fernhalten - sie bereitete währenddessen sogar noch eine Vorlesung für einen Kollegen vor.
Das Interesse an den höheren Schulen war gewachsen. 1964 gab Hanna in Goulburn (eine Stadt, die ungefähr 100 km von Canberra entfernt liegt) einen Kurs zu den neuen Schwerpunkten in Mathematik für die Unterstufe von höhere Schulen. Sie nahm im gleichen Jahr auch aktiv an den Diskussionen über Unterrichtsprogramme für ältere teil. Die Entwicklung von Vorschlägen und die Entwürfe für Verbesserungen und ihre energiegeladene Arbeit, die dazu führten, daß das Ansehen der Mathematischen Gesellschaft sowohl scharfer als auch konstruktiver Kritik ausgesetzt war, war zweifellos ihr Verdienst. Im folgenden Jahr, als die neuen Unterrichtsprogramme veröffentlicht wurden, gab sie dazu Kurse in Canberra und Goulburn. Sie besuchte Armidale und Newcastle in New South Wales und hielt dort Vorträge vor der Mathematischen Gesellschaft. In Canberra unterstütze sie weiterhin den Aufbau von Kursen für die Unterstufe an weiterführenden Schulen, indem sie (für die Mathematische Gesellschaft von Canberra) vor Eltern einen Vortrag hielt unter dem Titel 'Mathematik und chinesisch lernen', den sie aus der Einführung des Buches von W. W. Sawyer entliehen hatte. Sie legte den Eltern die Ideen hinter den neuen Unterrichtsprogrammen dar (der Saal war mit mehr als 200 Menschen überfüllt), und gewann ihre Kooperation, um den Ideen zum Erfolg zu verhelfen. Sie glaubte daran, daß man die Gemeinschaft dahingehend erziehen müßte, ein günstigeres Klima (in dem man keine Angst vor Mathematik haben sollte) beim Erlernen von Mathematik zu schaffen - speziell unter Mädchen. Anfang 1966 hielt sie einen Vortrag an der Universität von New South Wales' Sommerschule für Mathematiklehrer über Évariste Galois und die Theorie von Gleichungen.
Im Januar 1966 gab es außerdem ein Meeting, das endlich - nach vier Jahren Diskussion - die Australische Gesellschaft für Mathematiklehrer gründete. Hanna wurde sofort zu einem der Gründungsvizepräsidenten gewählt. In dieser Rolle hielt sie im September desgleichen Jahres in Abwesenheit des Präsidenten (Bernhard) ihre erste Ansprache. In ihrer Ansprache 'Education in Semut' beschrieb sie eine Halb-Utopie (Semi-Utopia), in der die mathematische Ausbildung eine Stufe erreicht hatte, die die besten Merkmale mathematischer Ausbildung vereinigte, die sie persönlich in vielen Teilen der Welt gesehen hatte. Sie gab zu, daß kein System alle diese Merkmale in sich vereinigte, aber sie war der Meinung, daß allein ihre Existenz bewies, daß die Ausführung realisierbar sei. Sie hatte außerdem den Vorsitz bei langen Sitzungen des ersten Konzils und schaffte es, die verschiedenen Menschen von überall aus Australien, die sich auf dem Meeting zum erstenmal trafen, zu einer Gruppe zu vereinigen.
Etwas später im Jahr 1966 wurde Hanna zur Vizepräsidentin der Mathematischen Gesellschaft von Canberra gewählt, bevor sie von 1967-68 Präsidentin wurde. In dieser Zeit bereitete die Mathematische Gesellschaft von Canberra die Unterlagen für die Lehrer weitestgehend vor. Es handelt sich hauptsächlich um Abhandlungen zur Unterstützung von Lehrern mit dem Hintergrund für die neuen Themen in den höheren Klassen, inspiriert durch Mißverständnisse, die die Textbücher mit den ersten Unterrichtsprogrammen aufzeigten. Hanna schrieb eine Abhandlung über die Wahrscheinlichkeit, die der Bestseller in dieser Serie wurde. Ein ehemaliger Textbuchschreiber beschrieb es als den besten verfügbaren Bericht zur Einführung in dieses Thema. Die Broschüre wird von Studenten im ersten Jahr an der Trobe Universität benutzt. Diese Serie von Abhandlungen brachte die Forschungsberichte über Abstrakte Mathematik hervor, die von Bernhards und Hannas Abteilung veröffentlicht wurden, in denen ihre Arbeiten zu Verteilungen veröffentlicht wurden.
1967 hielt sie den Vortrag über ihr Lieblingsthema 'Flechten', den sie vor der Mathematischen Gesellschaft von Canberra gehalten hatte, vor Schülern. Diese Vorträge, die schon zu Beginn der Mathematischen Gesellschaft von Canberra eingeführt worden waren, wurden in dieser Zeit durch Freitagabende ersetzt, die von Hanna sehr unterstützt wurden. Es wurden dabei Erfrischungen gereicht und Hanna nahm aktiv an den dort stattfindenden Diskussionen teil. Als die ANU-AAMT National Summer School für talentierte Hochschulstudenten 1969 begann, unterstützte Hanna sie enthusiastisch und bei zweien solcher Gelegenheiten hielt sie Vorträge über Geometrie, die sich als sehr beliebt erwiesen.
Im November 1968 wurde sie eingeladen die Eröffnungsrede für die Riverina Mathematical Association zu halten. Unter dem Titel 'Wer will abstrakte Mathematik?' legte sie ihre Einstellung dar, daß der Umfang der abstrakten Mathematik sich genauso stark ausgebreitet hat wie der Bereich menschlicher Unternehmungen, auf den sie angewandt wurde.
Hanna machte 1969 einen Fortbildungsurlaub. Ihren ersten Halt machte sie beim First International Congress on Mathematical Education bei Lyons. Dies brachte sie dazu, einen Brief an verschiedene australische Zeitungen zu schreiben (einen von sehr wenigen), der hier zitiert werden soll:
| Der Verlauf dieses Kongresses hat meinen Eindruck bestätigt, daß die mathematische Ausbildunf in Australien in erschreckendem Ausmaß hinter dem des Restes der Welt herhinkt. |
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| Es ist typisch, daß wir uns in Australien noch fragen, ob wir in Schulen Compterunterricht erteilen sollen oder nicht, während die Diskussion hier davon ausgeht, als sei das bereits geschehen und sich schon überlegt, wie die (neuen!) Mathematikprogramme verändert und reorganisiert werden müssen, um dem Einfluß der Computer auf die Mathematik Rechnung tragen zu können. |
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| Es ist offensichtlich, daß die großen Vorteile in anderen Ländern von Versuchen herstammen, die durch die Anpassungsfähigkeit der Prüfungsinstitutionen und ihrer Klientel (zum Beispiel Arbeitgeber und Universitäten) und die Verfügbarkeit finanzieller Mittel ermöglicht wurden. |
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| Sicher, die mathematische Ausbildung in Australien verändert sich, aber das muß in viel größeren Schritten erfolgen als bisher, wenn wir mit dem Fortschritt in anderen Ländern mithalten wollen. |
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Weil Hannas Interesse an Ausbildungsangelegenheiten bekannt war, wurde ihr Anfang 1968 eine Mitgliedschaft beim Australian College of Education angetragen, 1970 wurde sie zum Mitglied von FACE gewählt und 1971 wurde sie Mitglied des ACT Chapters-Kommitees.
Hannas Stelle als Professorin für abstrakte Mathematik brachte die Mitarbeit im Kommitee der Universität mit sich. In diesen Kommitees gewann sie auf Grund solcher Qualitäten wie ihrem gesunden Menschenverstand, ihrer Ausgewogenheit, Fairness und Objektivität, den Respekt der anderen und ihre Ansichten waren sehr gefragt. Sie wurde gebeten, einige der verantwortungsvolleren administrativen Aufgaben zu übernehmen, war aber der Meinung, daß sie ihren jüngeren Kollegen damit eine zu große Last aufbürden würde. Aber sie nahm von Januar 1968 bis August 1969 die Stelle des Dekans für Studenten an. In dieser Position spielte sie eine wichtige Vermittlerrolle zwischen der Studentenschaft und den Autoriäten der Universität. Die Studenten erkannten die Zeit und Energie an, die sie in ihre Belange investierte, und obwohl sie nicht immer ihrer Meinung waren, respektierten sie ihre Integrität und ihre Urteilsfähigkeit.
Die mathematische Gesellschaft von Australien machte sich auch Hannas Organistationstalent zunutze. Sie wurde eingeladen, im Januar 1969 den Vorsitz des neunten Summer Research Institutes zu übernehmen. Sie lud Mac Lane, einen Professor aus Chicago und Gaschutz, einen Professor aus Kiel als Hauptdozenten ein. Dadurch hatte das Summer Research Institute die größte Teilnehmerzahl, die es je hatte. Weitere Höhepunkte waren die Besuche von Erdös und Hirsch.
Im März wurden ihre akademischen Leistungen weiterhin gewürdigt, als sie zum Mitglied der Australian Acadamy of Science gewählt wurde.
Den nächsten Halt während ihrer einjährigen Bildungsreise (mit Bernhard) war ein Treffen über Entscheidungsprobleme in der Gruppentheorie, das in Kalifornien abgehalten wurde. Danach verbrachten sie fünf Monate an der Vanderbilt Universität in Nashville/Tennessee, wo Hanna bei der National Science Foundation Senior Foreign Scientist Mitglied war. Zur gleichen Zeit besuchte auch ihr ältester Sohn Peter Vanderbilt. Hanna gab vor graduierten Studenten einen Kurs über die Varianten von Gruppen, während es ihr gelang, eine der fundamentalsten Fragen dieser Theorie zu lösen: das finite Basisproblem. Am Beginn dieses Aufenthalts erreichten sie die Neuigkeiten über eine Lösung durch Ausschlußverfahren des Problems durch den jungen Russen Ol'sanskii (ein Student von Smel'kin). Eine bessere Lösung fand Vaughan-Lee, der sich auch zu der Zeit in Vanderbilt aufhielt und der gerade in Oxford unter Peters Leitung promoviert hatte. Der Kurs wurde mit der Präsentation von Vaughan-Lees Lösung abgeschlossen. Das Highlight des Aufenthaltes war jedenfalls die Lösung des Problems des freien Produkts von endlich vielen endlich-erzeugten Hopfgruppen. Hanna und Ian Dey hatten einige Zeit erfolgreich an dem Problem gearbeitet. Jetzt, wo Hanna die Zeit hatte, sich dem Problem stärker zu widmen, konnten die letzten Schwierigkeiten überwunden werden. Es stellte sich heraus, daß solche Gruppen tatsächlich Hopfgruppen waren. Die Lösung erforderte fast alle Techniken, die auf diesem Feld der Gruppentheorie möglich sind, oft in ausgeprägterer Form. Diese Arbeit war dann in der Tat ein passender Höhepunkt in Hannas Karriere. Mit Hannas typischer Bescheidenheit, schrieb sie einen Bericht an die Universität, in dem sie sich dafür entschuldigte, daß sie sich so stark mit dem Erreichen dieser Lösung beschäftigt hatte. Während Hanna sich in Nashville aufhielt, bekam sie viele Einladungen, auch in anderen Teilen Nordamerikas Vorlesungen zu halten. Und obwohl sie einige Einladungen abgesagt hatte, gab sie schließlich noch 15 Vorlesungen an weit entfernten Orten wie Atlanta, Houston und Toronto; normalerweise über Varianten des Hopfproblems. Sie reisten dann weiter nach Cambridge in England, wo sie für die nächsten vier Monate blieben, Hanna als Ehrenmitglied am Girton College und als Gastprofessorin an der Universität. In letzterer Rolle gab sie einen Kurs von Vorlesungen über Variationen von Gruppen. Auch hier wurde sie wieder vom ganzen Land rauf und runter eingeladen, Vortäge zu halten, unter anderem vor der Mathematischen Gesellschaft Londons. Außerdem managte sie es in dieser Zeit auch noch, ihre neun Enkelkinder zu besuchen. Danach folgte ein sechswöchiger Aufenthalt am mathematischen Forschungsinstitut in Freiburg, was im schönen Schwarzwald liegt. Und erholt, machten sie noch eine dreiwöchige Vortragstour durch den indischen Subkontinent, wo sie die meiste Zeit in Lahore, Madras und Madurai verbrachten bis sie im August 1970 nach Australien zurückkehrten.
Kaum angekommen, erhielt Hanna im Rahmen des Commonwealth Universitäts-Austauschprogramms eine weitere Einladung, eine Vortragsreise durch Kanada anzutreten. Das wurde für den (kanadischen) Winter 1971-72 arrangiert.
Die verschärfte finanzielle Lage in ihrer Abteilung machte es ihr unmöglich, den Studenten den gleichen Service zu bieten wie vorher. Dies zusammen mit einigen anderen strukturellen Veränderungen an der Universität und Probleme im Zusammenhang mit einigen Kursen überzeugten sie davon, daß eine gänzlich neue Planung der Kurse vonnöten war und machte sich daran, diese Arbeit zu initiieren.
1971 wurde sie zu zwei Vorträgen eingeladen. Zuerst in Adelaide, bei einem Treffen der Mathematischen Gesellschaft Südaustraliens mit der Australischen Mathematischen Gesellschaft, wo sie einen Vortrag mit dem Thema 'Unterrichten von Studenten im ersten Jahr: Hobby und Fantasie' hielt und danach an der Technischen Hochschule von Wodonga bei einem reginalen Treffen von Lehrern, die moderne Mathematik unterrichteten zum Thema 'Die Wichtigkeit der Symbolik in der zweiten und dritten Stufe des Studiums'.
Ende Oktober machte sich Hanna dann zu ihrer Kanadatour auf, wo sie in schneller Abfolge die Universitäten von British Columbia, Calgary, Alberta, Saskatchewan und Manitoba besuchte. Dann erreichte sie am 8. November die Carleton Universität in Ottawa für einen etwas längeren Aufenthalt. Am Abend des 12. Novembers fühlte sie sich krank, ging von sich aus in ein Krankenhaus und fiel schnell ins Koma. Am 14. November starb sie, ohne noch einmal ihr Bewußtsein wiedererlangt zu haben.
Hanna Neumann war eine bemerkenswerte Persönlichkeit. Im Laufe ihres Lebens gewann sie die Liebe und den Respekt vieler Menschen, dessen Ausmaß natürlich nicht wirklich gemessen werden kann, aber es gibt Hinweise, die dies verdeutlichen:
Als zu ihren Ehren eine Gedenkveranstaltung abgehalten wurde, wurden viele Vorträge gehalten, obwohl sie in der Ferienzeit stattfand. Es gibt eine Sammlung von Artikeln, die ihrer Person gewidmet sind und der Wunsch, eine Art Fundus zu ihrem Gedächtnis einzurichten, fand in der ganzen Welt überwältigende Unterstützung. Einer fand eine gewaltige Reihe von Worten, um ihre Qualitäten zu beschreiben: warmherzig, enthusiastisch, inspirierend, energiegeladen, standhaft, taktvoll, sympathisch, effizient, geduldig, scharfsinnig, bescheiden, friedliebend, couragiert, graziös, ... Aber auch diese Worte können nur einen blassen Schatten ihrer Persönlichkeit widergeben. In diesem Licht muß man ihr Leben sehen.
Quelle: http://www.asap.unimelb.edu.au/bsparcs/aasmemoirs/neumann.htm
Übersetzung mit ausdrücklicher Genehmigung des Managements von Bright Sparcs
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